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Der Mutterpass – ausführlich und einfach erklärt

Mit Bestätigung der Schwangerschaft bekommt eine werdende Mutter von ihrem Frauenarzt oder ihrer Hebamme den Mutterpass ausgestellt. Er dient dem Arzt und der Hebamme einen schnellen und umfassenden Überblick über den Verlauf der Schwangerschaft, der Entwicklung des Kindes und wichtige Risikofaktoren zu erlangen. Auch ich fand diesen immer sehr spannend und habe bei unseren Kindern gerne die Werte miteinander verglichen. Viele Begriffe in dem Pass sind jedoch für medizinische Laien nicht immer so leicht zu verstehen, so dass ich euch hier einmal dir wichtigsten Begrifflichkeiten erklären möchte.

Ich gehe dabei nach der Reihenfolge der Seiten im Pass vor.

 

Laboruntersuchungen (Seite 2 und 3)

Auf diesen Seiten werden alle Ergebnisse eurer Blutuntersuchungen festgehalten.

Blutgruppenzugehörigkeit:

Hier findet ihr eure Blutgruppe mit dazugehörigem Rhesusfaktor: Der Rhesusfaktor ist ein Merkmal, welches auf den roten Blutkörperchen vorhanden sein kann. Trägt ein Mensch dieses Merkmal ist er Rhesus-positiv, fehlt es, ist er Rhesus-negativ.

Für Schwangere ist dieser Faktor wichtig, sollte die Mutter Rhesus-negativ sein und ein Rhesus-positives Kind bekommen. Während der Geburt kann kindliches Blut in den mütterlichen Kreislauf gelangen, welches den Körper der Mutter veranlasst Antikörper gegen den Rhesusfaktor zu bilden. Sollte später dann eine weitere Schwangerschaft mit einem Rhesus-positiven Kind folgen, gelangen die Antikörper in dessen Blutkreislauf und zerstören die roten Blutkörperchen. Dies kann zum Herzversagen beim Kind führen. Aus diesem Grund bekommt eine Rhesus-negative Mutter, welche ein Rhesus-positives Kind bekommt, nach dessen Geburt eine Prophylaxe-Spritze, welche die Bildung der Antikörper verhindert und somit die Gefahr für ein eventuell weiteres Kind verhindert.

 

Antikörper-Suchtest:

Dieser Suchtest soll eventuelle Rhesusfaktor-Antikörper (siehe bei Rhesusfaktor) im Blut der Mutter ausfindig machen. Er wird zu Beginn der Schwangerschaft und in der 24-28. SSW durchgeführt.

 

Röteln-Impfung:

Hier wird eingetragen, ob ihr gegen Röteln geimpft seid und ob eine Immunität gegen das Rötelvirus anzunehmen ist. Das Rötelvirus stellt für das Ungeborene eine ernste Gefahr dar und kann zu starken Schäden oder einer Fehlgeburt führen. Da eine Rötelnimpfung während der Schwangerschaft nicht erfolgen kann, sollte bei fehlender Immunität unbedingt der Kontakt zu, an Röteln erkrankten Mitmenschen, gemieden werden.

Ein postiver Röteln IgG Nachweis bedeutet einen ausreichenden Immunschutz gegen das Virus. Röteln IgM Antikörper können Hinweis auf eine eventuelle aktuelle Röteln-Erkrankung geben.

 

Nachweis von Clamydia trachomatis-DNA:

Clamydia trachomatis sind bakterielle Erreger, welche im Gebärmutterhals vorkommen können. Bei der Geburt besteht die Gefahr, die Erreger auf das Kind zu übertragen, welches dadurch Augen -und Lungenentzündungen davontragen kann. Fällt der Test bei der Mutter positiv aus, wird eine Behandlung mit Antibiotika nötig.

 

LSR:

LSR steht für Lues-Suchreaktion. Hierbei wird im Blut nach Hinweisen auf Syphillis-Erregern gesucht. Diese Geschlechtskrankheit kann auf das Kind übertragen werden. Das Ergebnis der Untersuchung steht nicht im Mutterpass, sondern nur, ob der Test durchgeführt wurde. Ebenfalls kann hier auch der Vermerk auf ein evtl. durchgeführtes HIV-Screening vermerkt sein.

 

Nachweis von HBs-Antigen aus dem Serum:

Hier wird das Blut auf eine eventuelle Hepatitis B Erkrankung kontrolliert. Sollte die Mutter daran leiden, besteht die Gefahr, ihr Kind während der Geburt damit zu infizieren, was für das Kind lebensgefährlich sein kann. Gefährdete Kinder werden deshalb direkt nach der Geburt gegen Hepatitis B geimpft.

 

oGTT / Glucose

Hier findet ihr euer Ergebnis vom Blutzuckertests, welcher in der 24.- 28. SSW durchgeführt wird. Der Test soll einen eventuellen Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig erkennen, so dass eine entsprechend Kontrolle und Behandlung Mutter und Kind vor gesundheitlichen Folgen schützen kann.

 

Toxoplasmose 

Der Toxoplasmose-Test sucht nach Antikörpern gegen den genannten Erreger. Fällt der Test negativ aus, sollte die werdende Mutter besondere Vorsicht im Umgang mit rohem Fleisch, Reinigung von Katzenklos und bei der Gartenarbeit walten lassen.

 

Strept. B Nachweis

B-Streptokokken sind Bakterien, welche in der natürlichen Flora von Scheide und Darm, aber auch (Schleim-)Haut der Mutter vorkommen können. Kommt ein Kind während der Geburt mit ihnen in Kontakt, besteht die Gefahr von schweren Neugeborenen-Infektionen. Fällt der Test bei der Mutter positiv aus, wird diese währende der Geburt in der Regel mit Antibiotika behandelt, um das Kind zu schützen.

 

 

Anamnese, Befunde und Terminbestimmung (Seite 5 und 6)

Auf diesen Seiten werden alle wichtigen Informationen zu euch festgehalten: Alter, Gewicht, Größe, Anzahl der Schwangerschaften (Gravida) und Geburten (Para). Ebenfalls werden Risikofaktoren, wie (Vor-)Erkrankungen oder Allergien abgefragt.

Unter dem Punkt der Terminbestimmung wird eure bisherige Zykluslänge, die letzte Periode und die Feststellung der Schwangerschaft eingetragen. Ebenfalls findet ihr hier den errechneten Entbindungstermin, sowie eine eventuelle vorgenommene Korrektur.

 

 

Gravidogramm (Seite 7 und 8)

Das Gravidogramm stellt euren Schwangerschaftsverlauf dar. Bei jeder Schwangerschaftskontrolle werden hier die wichtigsten Informationen zu Mutter und Kind eingetragen. Zu lesen sind

  • das Datum der Untersuchung
  • die (evtl. korrigieret) Schwangerschaftswoche
  • der Fundusstand (Fundus = oberer Rand der Gebärmutter)
  • die Kindslage: BL = Becken- /Steißlage, SL= Schädellage, QL = Querlage, vHHL= vordere Hinterhauptslage (normale Geburtsposition), hHHL= hintere Hinterhauptslage („Sterngucker“)
  • die Herztöne des Kindes
  • die Kindsbewegungen
  • eventuell vorhandene Ödeme (Wassereinlagerungen) oder Varizen (Krampfadern) bei der Mutter
  • das Gewicht der Mutter
  • der Blutdruck (RR) der Mutter
  • der Eisenwert im Blut bei der Mutter (bei evtl. Blutuntersuchung)
  • die Sedimente ggf. Bakteriologische Befunde aus dem Urintest
  • die Vaginale Untersuchungsbefunde: MM= Muttermund, pH-Wert, …
  • evtl. Risikonummern von Seite 6
  • sonstige Infos: Medikamente, Ultraschallbefunde, wie Größe, geschätztes Gewicht, Gebärmutterhals-Befunde (Zervix /Cx), …

 

 

Besonderheiten zu den Katalogen A und B, Stationäre Behandlungen, Cardiotokographische Befunde (Seite 9)

Auf dieser Seite können weitere Informationen zu den Punkten aus der Anamnese von Seite 5 und 6 eingetragen werden. Solltet ihr während eurer Schwangerschaft stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen, findet ihr hier ebenfalls einen kurzen Überblick, ebenso wie zu durchgeführten CTG-Untersuchungen.

 

 

 

Ultraschall-Untersuchungen (Seite 10 und 11)

Die Schwangerschaftsvorsorge sieht drei große Ultraschall-Untersuchungen vor. Die erste in der 9.-12. SSW, die zweite in der 19.-22. SSW und die dritte in der 29.-32. SSW. Zum besseren Verständnis kläre ich euch hier einmal kurz über die wichtigsten Fachbegriffe und Abkürzungen auf:

  • FS = Fruchtsackdurchmesser
  • SSL = Scheitel-Steiß-Länge
  • BPD = biparietaler Durchmesser (Abstand von linker zu rechter Schläfe)
  • FOD /KU = Frontooccipitale Durchmesser (von Stirn zu Hinterhaupt) / Kopfumfang
  • ATD =  abdominaler Transversaldurchmesser (Bauchdurchmesser quer gemessen)
  • APD /AU = Anterior-Posterior Durchmesser (Durchmesser Bauch von vorne nach hinten gemessen) / Abdomenumfang (Bauchumfang)
  • FL = Femurlänge (Länge des Oberschenkelknochens)
  • monochorial = eineiige Zwillinge, welche sich eine Plazenta teilen
  • Thorax = Brustkorb

 

 

 

Abschluss-Untersuchung /Epikrise (Seite 15 und 16)

Diese beiden Seiten werden nach der Geburt bzw. der Nachsorgeuntersuchung ausgefüllt. Es werden die wichtigsten Informationen zur Geburt, zum Kind und zum Wochenbett eingetragen. Auch hier möchte ich kurz auf die wichtigsten Begriffe und Abkürzungen eingehen:

Geburtsmodus

  • sp = Spontangeburt
  • S =Schnittentbindung (Kaiserschnitt)
  • vag. Op. = Zangen- oder Saugglockengeburt

 

Apgar-Zahl 5´/10´ =Sofort, sowie fünf und zehn Minuten  nach der Geburt, wird der Zustand des Kindes mit dem Apgar-Schema bewertet. Es werden Hautfarbe, Herzschlag, Atmung, Bewegungsaktivität und Reflexe beurteilt und Punkte dafür vergeben. Die Bestpunktzahl beträgt 10.

 

pH-Wert Nabelarterie = zeigt an, wie sauer oder basisch das Blut ist. Der Optimalwert liegt >7,2. Der ph-Wert hilft zu beurteilen, wie es um die Sauerstoffversorgung des Kindes steht.

 

 

 

 

Quellen:

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Roeteln.html;jsessionid=EEE8D37C13177260E5DA7B7652715D14.2_cid372#doc2394074bodyText13

https://www.onmeda.de/schwangerschaft/mutterpass-serologische-untersuchungen—laboruntersuchungen-2170-3.html

https://www.9monate.de/schwangerschaft-geburt/untersuchungen/die-messdaten-in-der-schwangerschaft-id94400.html

https://www.rund-ums-baby.de/gesund_schwanger/mutterpass/mutterpass-15.htm

 

 

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